Achtsamkeit – was ist das überhaupt?

Immer wieder hört man von Achtsamkeit. Aber was ist Achtsamkeit eigentlich genau? Und wie funktioniert sie? Kann das jede/r?

Ein Erklärungsversuch. 

 

Achtsam zu sein bedeutet, ganz bewusst im Hier und Jetzt zu sein. Die Aufmerksamkeit wird auf den gegenwärtigen Augenblick ausgerichtet und man beobachtet, was um einen herum (Umwelt) und in sich selbst (Körper, Geist und Herz) geschieht. Es wird aber wirklich nur beobachtet – gewertet, geurteilt oder kritisiert wird dabei nicht. 

 

Das klingt jetzt vielleicht schwierig oder kompliziert, aber mit ein wenig Übung kannst du Achtsamkeit ganz wunderbar in dein Leben integrieren. Gerade in unserer hektischen Welt, die von Stress und Druck geprägt ist, lohnt es sich ganz bewusst aus dem Hamsterrad auszusteigen und sich für ein von Präsenz geprägtes Dasein zu entscheiden. Dafür musst du nicht in ein Kloster nach Tibet reisen, den Jakobsweg gehen oder den Dalai Lama besuchen.

 

Um mit einem wachen Blick ganz bei uns zu sein – nämlich ohne unsere Erfahrungen, Abneigungen oder Vorlieben zu berücksichtigen – bedarf es einfach nur einer neuen Sichtweise und regelmäßigem Üben. Das Tolle daran ist, dass du es jederzeit und überall üben kannst. Du brauchst dir dafür nicht extra eine halbe Stunde Zeit pro Tag einzuplanen, sondern du kannst Achtsamkeit ganz einfach in deinen Alltag miteinbeziehen.

 

Lass und gleich in die Praxis gehen. Suche dir einen Gegenstand in deinem Blickfeld aus und lass deinen Blick auf dem Objekt ruhen. Nun schaust du dir den Gegenstand so an, als hättest du ihn noch nie gesehen. So als würdest du ihn zum ersten Mal sehen und erkunden. Registriere seine Form, seine Farbe, seine Beschaffenheit und den Raum, den das Objekt einnimmt. 

 

Möglicherweise kommen nun Gedanken, die dich ablenken. Oder du empfindest Sympathie oder Antipathie für diesen Gegenstand. Dann lass diese Gedanken und Gefühle wieder ziehen und konzentriere dich nur auf die Eigenschaften des Gegenstandes. Nimm den Gegenstand wahr, erkunde ihn – aber bewerte ihn nicht. Das ist Achtsamkeit!

 

Versuche künftig immer wieder auf diese Art und Weise Achtsamkeit zu praktizieren. Du wirst sehen – umso öfter du das übst, umso einfacher wird dir das gelingen. Aber was soll das bringen? Vieles machen wir schon automatisch. Wir setzen uns ins Auto und fahren zum Beispiel von zu Hause in die Arbeit. Das Autofahren funktioniert automatisch, wir kennen den Weg in- und auswendig und die Autofahrt ist Routine für uns. Aber was ist genau passiert in den letzten dreißig Minuten? Waren die Ampeln auf rot oder grün geschaltet? 

 

Meist können wir uns gar nicht daran erinnern, denn wir waren auf „Autopilot“. Der Körper hat automatisch gehandelt, der Geist war ganz woanders. Achtsamkeit soll unseren Körper wieder mit unserem Geist und mit unserem Herzen vereinigen – und uns so wieder präsente Momente schenken. Schließlich leben wir im Hier und Jetzt. Jeden Augenblick leben wir in der Gegenwart. Wir können weder in die Vergangenheit zurück- noch in die Zukunft vorspringen. Achtsamkeit hat viele Vorteile, die unser Leben leichter und schöner machen – diese möchte ich dir demnächst in einem eigenen Blog-Artikel näher bringen. 

 

Versuche inzwischen immer wieder achtsame Momente in dein Leben zu bringen. Auch die Übung „Im Honigtopf“ ist dazu ganz wunderbar geeignet. 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Marco Koch (Donnerstag, 23 Februar 2017 16:11)

    Wenn man lebt ohne zu bewerten - also etwas weder gut noch schlecht ist - dann ist im grunde genommen doch eigentlich alles egal? Oder wie soll ich das verstehen? Viele Dinge funktionieren nun einmal nur weil man sie vorher auf genau diese Art gelernt hat zu tun. Genau das Autofahren: Erinnert euch zurück wie unbeholfen und ängstlich vielleicht sie die erste Autofahrt angefühlt hat. Es ist gut das dieser "Autopilot" manchmal einsetzt - vieles wäre ohne diese "Automatismen" gar nicht leistbar weil es den Kopf einfach überanstrengt. Dieser "Automatismus" schützt uns auch vor Überlastung im Alltag. Sorgt allerdings auch dafür das - wenn man einmal "satt" ist sich langweilt auf eine gewisse Art und weise. Deswegen ist es wichtig das man seine "Gewohnten Pfade" ab und zu einmal verlässt. Dumm ist nur das das in unserer Gesellschaft nicht gebilligt wird sondern man erst "Krank" werden muss damit man aus der "Tretmühle" die einen Krank macht ohne "Sanktionen" wieder raus kann.

  • #2

    Daniela von Calmony (Donnerstag, 23 Februar 2017 18:06)

    Lieber Marco, du hast vollkommen recht: Sehr oft ist es gut und auch wichtig, dass wir uns auf diesen "Autopiloten" in uns verlassen können. Und ja: Wir könnten auch gar nicht ohne Bewertungen leben - das geht gar nicht. Wir bewerten (unbewusst) ständig, auch wenn wir das gar nicht wollen. Dafür sind wir viel zu sehr durch unsere Erfahrungen, Erziehung und unser Umfeld geprägt. Achtsamkeit bedeutet nicht, dass dir alles egal sein soll. Ganz im Gegenteil.

    Achtsamkeit kann uns dabei helfen aus dem ewigen Gedanken-Karussell auszusteigen. Wieder bei uns anzukommen, wieder zur Ruhe zu kommen. Gerade, wenn du unter Stress stehst und dir der innere Kritiker im Nacken sitzt und dir dann vielleicht auch noch die Zeit davon läuft (all das was uns krank machen kann), ist es wichtig auch einmal bewusst STOP zu sagen. Aus dem rotierenden Hamsterrad herauszusteigen - und wenn es nur für 5 Minuten ist.

    Versuche dann einmal die oben beschriebene Übung mit dem Gegenstand, den du betrachtest und erkundest. Oder probiere die Honigtopf-Übung aus. Du wirst sehen, dass du während der Übung mit deinen Gedanken nicht mehr bei den Problemen bist. Mit Hilfe einer Achtsamkeitsübung kommen Geist und Körper wieder zur Ruhe. Achtsamkeit muss man erst üben - und gerade, wenn man eher ungeduldig ist, mag einem das komisch vorkommen. Aber glaub mir: Es lohnt sich dran zu bleiben und jeden Tag eine kleine Einheit einzubauen :)

STAY TUNED!

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